Instagram macht uns zu schlechteren Touristen

Sicherheit ist planbar

Instagram macht uns zu schlechteren Touristen

Der Tourismus ist in diesem Sommer wieder in Schwung gekommen und damit auch das respektlose Verhalten vieler Touristen in den Zielländern. Instagram und TikTok machen die Menschen zu schlechteren Touristen.

Sie verhalten sich im Urlaub hedonistischer und respektloser gegenüber fremden Kulturen, weil sie in den sozialen Medien nachschauen, wie sich andere verhalten. Sie ahmen diese nach und gehen davon aus, dass ihr gewohntes Benehmen zu Hause überall akzeptabel ist.

Dieses Nachahmungsverhalten ist auch als „Social proof“ bekannt, d.h. Menschen orientieren sich an den Verhaltensweisen anderer, um ihr eigenes Handeln zu rechtfertigen. Wenn insbesondere Gleichaltrige in Urlaubsvideos alle Vorsicht und Hemmungen in den Wind schießen, kann das schnell einen Dominoeffekt schlechten Benehmens auslösen.

Viele Reisende machen sich heute nicht mehr die Mühe, einen seriösen Reiseführer zu lesen, der unter anderem auch Tipps für das angemessene Verhalten in fremden Ländern und Kulturen gibt. Dagegen schauen vor allem Jugendliche bevorzugt Videos auf Instagram oder TikTok an und orientieren sich am Verhalten ihrer Vorbilder in den Sozialen Medien.

Aber die Menschen in den Zielländern akzeptieren das Fehlverhalten vieler Touristen nicht mehr und beginnen, sich in vielfältiger Weise zu wehren. Seit Jahren versucht die Stadt Palma de Mallorca mit verschiedenen Vorschriften und Regeln den Sauftourismus deutscher und britischer Urlauber auszubremsen. Die Ferieninsel Bali hat im Juni 2023 neue Richtlinien für Besucher eingeführt. Dazu gehören Regeln für das richtige Verhalten in den heiligen Tempeln, auf der Insel insgesamt und im Umgang mit den Einheimischen sowie für die Achtung der natürlichen Umwelt.

Andere Reiseziele haben ähnliche Maßnahmen ergriffen. Island, Hawaii, Palau, Neuseeland, Costa Rica und andere wollen ausländische Besucher verpflichten, sich an die lokalen Gesetze und Bräuche zu halten. Kampagnen wie „No Drama“ in der Schweiz, „See Vienna – not #Vienna“ in Österreich, „Be more like a Finn“ in Finnland und „How to Amsterdam“ in den Niederlanden zielen darauf ab, nur „gut erzogene“ Touristen anzulocken. Bekannte Städte und Regionen wie Venedig, Amsterdam oder Barcelona wollen den „Übertourismus“ bekämpfen, der für zahlreiche Ausschreitungen verantwortlich gemacht wird.

Wieso kommt es in den letzten Jahren vermehrt zu touristischen Fehlverhalten? Eine Antwort sind die sozialen Medien. Instagram und TikTok haben es leicht gemacht, „versteckte Juwelen“ von Restaurants zu finden und neue Reiseziele zu entdecken, die man seiner Bucket List hinzufügen kann. Aber diese Demokratisierung des Reisens hat auch negative Folgen. In den Videos sehen die Menschen, wie andere ihr zuhause gewohntes Verhalten (bislang folgenlos) in die Reiseziele mitnehmen konnten. Dann wollen sie dieselben Orte besuchen und dort die gleiche Art von Fotos von sich selbst machen und posten diese wiederum in denselben sozialen Netzwerken. Sie erreichen damit einen gewissen sozialen Status, auf der Strecke bleibt allerdings der Respekt vor fremden Kulturen, Gepflogenheiten und allzu häufig auch vor den Menschen vor Ort.

Gerade asiatische Länder mit ihrer für westliche Touristen so fremden Kultur wollen dem Fehlverhalten von Reisenden künftig einen Riegel vorschieben. Die malerische, indonesische Insel Bali hat eine ‚Tourist Task Force‘ gegründet, die die neuen strengen Verhaltensregeln durchsetzen soll. Eine der neuen Richtlinien lautet, sich gegenüber Einheimischen, Regierungsbeamten oder anderen Touristen weder aggressiv zu verhalten noch harte Worte zu benutzen, was explizit auch für den Online-Bereich gilt. Dies verdeutlicht die Rolle der sozialen Medien als Teil des Problems, wenn es um schlechtes Verhalten von Touristen geht.

Wo solche Verhaltensregeln nicht erfolgreich waren, sind einige Orte wie Thailands berühmte Maya-Bucht noch einen Schritt weiter gegangen und sind (zumindest vorübergehend) vollständig für Touristen geschlossen worden.

Was gilt es für Touristen zu lernen, um die schlimmsten Provokationen und beleidigendes Verhalten in fremden Ländern zu vermeiden?

  • Jeder Reisende sollte sich zuerst einmal bewusst machen, dass er/sie im fremden Ländern ein Gast ist, der sich an die Gepflogenheiten vor Ort anzupassen hat.
  • Das setzt voraus, dass man sich vor der Reise über sein Zielland informiert, um sich dort angemessen verhalten zu können.
  • Man muss nicht alle Bräuche und Lebensgewohnheiten in fremden Kulturen gut finden, aber man muss sie während des Aufenthalts respektieren und sich entsprechend verhalten.
  • Man muss nicht ständig online sein, um Fotos und Videos zu posten. Wer immer nur auf sein Smartphone schaut, dem entgeht viel Neues und Aufregendes, was um ihn/sie herum geschieht.
  • Reisen ist mehr als die Jagd nach dem perfekten Selfie. Wer seine Ferienanlage verlässt und sich auf Begegnungen mit den Menschen vor Ort einlässt, kommt reich an neuen Erfahrungen aus dem Urlaub zurück. Und vermeidet peinliche oder auch gefährliche Situationen.

(red)

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