Sexuelle Kriegsführung: Von Britannien bis Deutschland …

Sexuelle Kriegsführung: Von Britannien bis Deutschland …

Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowie Massenvergewaltigungen als Mittel der Erniedrigung, Bestrafung oder als schlichte Beute (»Brecht mit Gewalt den Rassenhochmut der germanischen Frauen. Nehmt sie als rechtmäßige Beute«¹) begleitet Kriege und gesellschaftliche Zusammenbrüche, seit es Kriege gibt. Historiker gehen davon aus, dass nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis zu zwei Millionen deutsche Frauen und Mädchen (siehe Foto) Opfer von Vergewaltigungen wurden, vor allem durch sowjetische, aber auch durch französische, britische und US-amerikanische Soldaten sowie z.B. durch polnische und tschechische Zivilisten – die meisten Übergriffe ereigneten sich in den letzten Kriegsmonaten und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Jahrzehnte später, während der Jugoslawienkriege der 1990er-Jahre, dokumentierten internationale Gerichte systematische Vergewaltigungen als Mittel der Kriegsführung; Schätzungen gehen von mehreren Zehntausend Betroffenen allein in Bosnien-Herzegowina aus. Beide Kapitel der jüngeren europäischen Geschichte zeigen dasselbe Muster: Organisierte sexuelle Gewalt gegen Frauen ist kein Phänomen, das an eine einzelne Kultur, Nation oder Religion gebunden ist. Sie entsteht überall dort, wo Macht, Straflosigkeit und die Entmenschlichung einer Opfergruppe zusammentreffen – sei es im Chaos eines Kriegsendes oder, wie sich in Großbritannien zeigt, im jahrzehntelangen Versagen ziviler Institutionen in Friedenszeiten.

Vor diesem Hintergrund lässt sich auch das monströse Geschehen im Vereinigten Königreich einordnen, das seit einigen Wochen die politische Debatte dort bestimmt: Sexuelle Kriegsführung mitten im Frieden. Als Ankündigung von etwas Größerem …

Am 16. Juni 2026 veröffentlichte der fraktionslose Abgeordnete Rupert Lowe, Gründer der Bewegung Restore Britain, einen mehr als zweihundert Seiten starken, crowdfinanzierten Bericht mit dem Titel »The Rape Gang Inquiry Report«. Er stützt sich auf Zeugenaussagen überwiegend minderjähriger Opfer und beschreibt, wie organisierte, überwiegend pakistanisch-muslimische Tätergruppen seit den 1950er-Jahren minderjährige, größtenteils weiße britische Mädchen aus prekären Verhältnissen missbraucht, ausgebeutet und teils versklavt oder sogar getötet haben sollen. Der Bericht spricht von mindestens 250.000 Betroffenen und einem Täteranteil von 87 bis 95 Prozent Muslimen. Diese Zahlen haben binnen weniger Tage eine enorme öffentliche Resonanz ausgelöst – ebenso wie scharfe Kritik an ihrer Belastbarkeit. Um den Fall einordnen zu können, lohnt sich ein Blick auf das, was tatsächlich amtlich dokumentiert ist, was der Lowe-Report zusätzlich behauptet, und woher seine zentralen Zahlen eigentlich stammen.

Ein jahrzehntealter, amtlich bestätigter Skandal

Dass es in zahlreichen englischen Städten über Jahrzehnte hinweg organisierte, gruppenbasierte sexuelle Ausbeutung Minderjähriger gegeben hat, ist keine Streitfrage zwischen politischen Lagern, sondern wiederholt amtlich untersuchter und gerichtlich bestätigter Sachverhalt. Bekannt wurde der Komplex vor allem durch Rotherham in South Yorkshire: Die 2014 von Alexis Jay vorgelegte unabhängige Untersuchung kam zu dem Schluss, dass zwischen 1997 und 2013 mindestens 1.400 Mädchen Opfer organisierter sexueller Ausbeutung wurden, häufig aus dem Pflege- oder Heimsystem stammend. Die Täter waren laut Untersuchung überwiegend Männer pakistanischer Herkunft, die Opfer überwiegend junge britische Mädchen aus einfachen Verhältnissen. Die strafrechtliche Aufarbeitung läuft bis heute: Im Rahmen von »Operation Stovewood« wurden bislang 323 Verdächtige identifiziert, 42 davon rechtskräftig verurteilt – nach Angaben der Ermittler war knapp zwei Drittel dieser Verurteilten pakistanischer Abstammung. Erst im Juli 2025 wurde zudem bekannt, dass mehrere ehemalige Polizeibeamte unter dem Verdacht stehen, selbst Opfer missbraucht zu haben; die Ermittlungen dazu dauern an.

Ähnliche Muster wurden in Rochdale, Oxford, Telford, Newcastle, Oldham, Huddersfield und weiteren Städten dokumentiert. In Rochdale wurden erst im Juni 2026 sieben weitere Männer wegen solcher Verbrechen verurteilt, die zwischen den Jahren 2000 und 2006 begangen wurden – zwanzig Jahre nach den Taten. Die 2022 veröffentlichte Telford-Untersuchung sprach von mehr als 1.000 betroffenen Kindern über mehrere Jahrzehnte hinweg, auch hier mit einem ähnlichen Täterprofil. In praktisch allen größeren Fällen kamen die offiziellen Untersuchungen zu vergleichbaren Befunden: Polizei, Jugendämter, Schulen und Gesundheitsbehörden hatten frühzeitig Hinweise erhalten, diese jedoch über Jahre hinweg ignoriert, fehlinterpretiert oder bewusst nicht weiterverfolgt – teils aus Sorge, als rassistisch wahrgenommen zu werden, teils aus schlichter Überforderung und institutionellem Versagen. Die unabhängige Untersuchung zu historischem Kindesmissbrauch (IICSA) stellte 2022 fest, dass die verbreitete Annahme, das Problem habe seit den bekannten Fällen in Rotherham und Rochdale an Bedeutung verloren, unzutreffend sei – Kinder würden weiterhin in ganz England und Wales auf vergleichbare Weise ausgebeutet.

Der Casey-Audit und die neue Pflichtuntersuchung

Die entscheidende Wende der jüngeren Zeit kam im Juni 2025. Nachdem die Labour-Regierung eine landesweite Untersuchung zunächst abgelehnt hatte, beauftragte der ehemalige Premierminister Keir Starmer im Januar 2025 die Politikerin Louise Baroness Casey mit einer raschen nationalen Bestandsaufnahme zu Art, Umfang und Ursachen gruppenbasierter sexueller Ausbeutung von Kindern. Der im Juni 2025 vorgelegte »National Audit on Group-based Child Sexual Exploitation and Abuse« attestierte den Behörden ein über Jahrzehnte gewachsenes Versagen und kritisierte insbesondere die Datenlage zur Ethnizität der Täter scharf: In zwei Dritteln aller bundesweit erfassten Fälle sei die Ethnizität der Verdächtigen überhaupt nicht dokumentiert worden, weshalb sich auf nationaler Ebene »keine validen Aussagen« zur ethnischen Zusammensetzung der Täter treffen ließen. Baroness Casey beschrieb dies als systematisches »Wegducken« vor dem Thema und schilderte unter anderem einen Aktenfund, in dem der Begriff »pakistanisch« handschriftlich geschwärzt worden war.

Gleichzeitig stellte der Audit fest, dass es in den drei Polizeibehörden, für die belastbare lokale Daten vorlagen – Greater Manchester, South Yorkshire und West Yorkshire –, eine deutliche Überrepräsentation von Männern mit als »asiatisch« erfasstem ethnischem Hintergrund unter den Verdächtigen gab. In Greater Manchester etwa wurden in einem Dreijahreszeitraum 52 Prozent der Verdächtigen in Mehrfachtäter-Fällen als »asiatisch« geführt, der größte Teil davon pakistanischer Herkunft, gegenüber einem Bevölkerungsanteil von 21 Prozent in der Region; 38 Prozent der Verdächtigen wurden als »weiß« erfasst. Casey betonte zugleich, dass diese lokalen Befunde nicht unbesehen auf das ganze Land übertragen werden dürften, und mahnte zu Besonnenheit bei der öffentlichen Debatte. Die Regierung verpflichtete sich daraufhin, alle zwölf Empfehlungen des Audits umzusetzen, darunter eine verpflichtende bundesweite Erfassung von Ethnizität und Staatsangehörigkeit bei Verdächtigen sowie eine Gesetzesreform, wonach Geschlechtsverkehr Erwachsener mit unter 16-Jährigen künftig grundsätzlich als Vergewaltigung verfolgt wird.

Auf Empfehlung des Audits beschloss die Regierung zudem eine vollwertige, gesetzlich verankerte nationale Untersuchung. Die »Independent Inquiry into Grooming Gangs« steht unter Vorsitz von Baroness Anne Longfield, ehemalige Kinderbeauftragte Englands, ihr zur Seite stehen die früheren Polizeiinspektorin Zoë Billingham und die Kommunalverwaltungsexpertin Eleanor Kelly. Die endgültigen Untersuchungsziele wurden nach einer öffentlichen Konsultation mit mehr als 25.000 Rückmeldungen am 31. März 2026 veröffentlicht, die Arbeit begann formell am 13. April 2026. Anders als beim Casey-Audit ist die Untersuchung diesmal ausdrücklich beauftragt, die Rolle von Ethnizität, Religion und Kultur bei den Taten direkt zu untersuchen – ein Punkt, den Baroness Longfield selbst in Nachverhandlungen mit dem Innenministerium durchgesetzt hatte. Parallel dazu überprüft die Metropolitan Police rund 9.000 frühere Fälle sexueller Ausbeutung neu, und die National Crime Agency koordiniert unter dem Namen »Operation Beaconport« eine landesweite Ermittlungsoffensive.

Institutionelles Versagen: das wiederkehrende Muster

Was den Fall Großbritannien von vielen anderen Missbrauchsskandalen unterscheidet, ist weniger das Verbrechen selbst als die Gleichförmigkeit des institutionellen Versagens, das sich von Stadt zu Stadt wiederholte. Schon der Jay-Report von 2014 beschrieb ein Muster, das spätere Untersuchungen in Rochdale, Oxford, Telford und Newcastle nahezu identisch bestätigten: Sozialarbeiter dokumentierten genaue Hinweise auf Ausbeutung – Fahrten in fremden Autos, plötzlicher Drogen- und Alkoholkonsum minderjähriger Mädchen, sichtbare Verletzungen –, stuften die betroffenen Minderjährigen jedoch wiederholt als eigenverantwortlich handelnde, »lebensstilbedingt gefährdete« Jugendliche ein, statt als Opfer einer Straftat. Polizeidienststellen erfassten Täternamen über Jahre, ohne Anklage zu erheben; die Jay-Untersuchung machte dafür unter anderem die Sorge verantwortlich, Ermittlungen gegen überwiegend pakistanisch-stämmige (d.h. muslimische) Verdächtige könnten als rassistisch motiviert wahrgenommen werden. Beispielsweise verlängerten die für Taxilizenzen zuständigen Behörden wiederholt Konzessionen für Fahrer, die – obwohl polizeibekannt im Zusammenhang mit sexueller Ausbeutung – nicht verurteilt wurden. Lehrer und Lehrerinnen, die ältere Männer regelmäßig vor den Schultoren beobachteten, reagierten in mehreren dokumentierten Fällen mit dem Ausschluss der betroffenen Schülerinnen, statt mit einer Meldung an Jugendamt oder Polizei.

Der Casey-Audit von 2025 bestätigte, dass dieses Muster bis in die Gegenwart fortwirkt. Er beschreibt eine Kultur des Wegsehens, die er auf eine Mischung aus »Ignoranz, Vorurteil, Abwehrhaltung und fehlgeleiteten guten Absichten« zurückführt, sowie eine systematische Tendenz, Falldateien als »uneindeutig« zu klassifizieren, sobald die Ethnizität der Verdächtigen zur Sprache kam. Zugleich warnt die Untersuchung davor, das Versagen allein auf die Furcht vor Rassismusvorwürfen zu reduzieren: Vergleichbare Schutzlücken, etwa bei der Glaubwürdigkeit minderjähriger Opfer gegenüber Behörden oder beim Umgang mit Kindern aus Pflegeeinrichtungen, ließen sich auch in Fällen ohne erkennbare ethnische Dimension nachweisen. Mit anderen Worten: Institutionelles Versagen gegenüber missbrauchten Kindern war in Großbritannien ein strukturelles Problem, das durch die Furcht vor Rassismusvorwürfen in den betroffenen Fällen zusätzlich verschärft, aber nicht allein dadurch verursacht wurde.

Die politische Dimension: Einwanderung, Integration und Islam

Über die strafrechtliche und institutionelle Aufarbeitung hinaus hat der Skandal seit Jahren eine zweite, explizit politische Ebene. Befürworter einer restriktiveren Einwanderungspolitik, zu denen auch Rupert Lowe zählt, sehen in den Fällen einen Beleg dafür, dass die seit dem British Nationality Act von 1948 und insbesondere seit den 1990er-Jahren gewachsene Einwanderung aus Pakistan und anderen ehemaligen, muslimisch geprägten britischen Kolonien, unzureichend von Integrationsmaßnahmen begleitet wurde und in Teilen zur Entstehung gegenüber dem Rechtsstaat abgeschotteter Parallelgesellschaften beigetragen habe. Sie verweisen darauf, dass mehrere offizielle Untersuchungen, einschließlich des Casey-Audits, eine lokale Überrepräsentation pakistanisch-stämmiger Männer unter den Verdächtigen bestätigt haben, und werten das jahrelange Zögern, diesen Befund offen zu benennen, als Beleg für eine von ihnen so bezeichnete »politische Korrektheit«, die den Opferschutz dem Wunsch nach gesellschaftlichem Burgfrieden untergeordnet habe.

Kritiker dieser Lesart, darunter etwa die Kriminologen Dr. Ella Cockbain und Dr. Waqas Tufail sowie mehrere Opferschutzorganisationen, halten dagegen, dass eine einseitige Fokussierung auf Ethnizität und Religion von den – ihrer Ansicht nach – eigentlichen, breiter wirksamen Risikofaktoren ablenke. Dennoch – beide Lager sind sich zumindest in einem Punkt einig, den auch die Regierung inzwischen teilt: Die jahrelange Weigerung, Ethnizität und Religion überhaupt systematisch zu erfassen, hat eine sachliche Klärung der Streitfrage bislang verhindert – ein Zustand, den die neue Pflichtuntersuchung nun beheben soll.

Der »Rape Gang Inquiry Report« von Rupert Lowe

In genau diesem Klima entstand der private, von Rupert Lowe initiierte Bericht. Anders als die Casey-Untersuchung oder die neue Pflichtuntersuchung hat er keinerlei gesetzliche Grundlage, keine Zeugenpflicht und keine amtlichen Ermittlungsbefugnisse. Finanziert wurde er durch eine Spendenkampagne mit nach eigenen Angaben mehr als 20.000 Unterstützern; öffentliche Anhörungen fanden vom 2. bis 13. Februar 2026 statt. Geleitet wurde das Gremium von der früheren Rotherham-Betroffenen und heutigen Aktivistin Sammy Woodhouse, im Begleitpanel saßen unter anderem die konservativen Abgeordneten Esther McVey, Nick Timothy und Carla Lockhart. Der australische Islamwissenschaftler Mark Durie steuerte nach Angaben des Vorworts substanzielle Beiträge zu den theologischen Kapiteln bei.

Der mehr als 200-seitige Bericht gliedert sich in Abschnitte zu Opferzeugenschaft, Whistleblower-Aussagen, demografischen und kulturellen Faktoren sowie einem eigenen, ausführlichen Kapitel mit dem Titel »The Influence of Islam«. Darin vertritt der Bericht die These, dass spezifisch islamische Rechts- und Glaubensvorstellungen – etwa Konzepte zur Stellung von Frauen, zum Verhältnis zu Nicht-Muslimen oder zur religiösen Rechtfertigung von Eheschließungen mit Minderjährigen – einen kausalen Beitrag zur Tatbegehung geleistet hätten. Diese Deutung ist eine zentrale, eigenständige These des Berichts und keine in der Kriminologie etablierte oder von amtlichen Untersuchungen geteilte Erklärung; weder der Jay-Report noch der Casey-Audit noch die neue Pflichtuntersuchung stützen sich auf eine vergleichbare theologische Kausalanalyse. Der Bericht fordert unter anderem verschärfte Strafen bis hin zur Todesstrafe für die schwersten Taten, eine umfassende Abschiebungspolitik sowie eine verpflichtende Erfassung von Ethnizität und Religion bei Verdächtigen – Letzteres deckt sich mit einer Forderung, die auch der offizielle Casey-Audit erhoben hatte.

Die Zahlen im Faktencheck

Die mit Abstand am häufigsten zitierte Zahl des Berichts – mindestens 250.000 Betroffene seit den 1950er-Jahren – stammt, wie der Bericht selbst in einer Fußnote einräumt, nicht aus einer eigenen Erhebung. Sie geht zurück auf eine einzelne Frage des konservativen Peers Lord Pearson of Rannoch im House of Lords vom 14. Mai 2019, in der er fragte, ob sich aus einer Hochrechnung des Jay-Reports sowie der Berichte aus Telford und Oxford eine landesweite Opferzahl von »upwards of 250,000« ergebe. Es handelt sich somit um eine politische Frage, nicht um das Ergebnis einer methodisch kontrollierten Erhebung; der Bericht selbst schreibt an anderer Stelle, die Zahl sei »not a precise count«, da eine solche Zählung schlicht nicht existiere. Die tatsächlich amtlich dokumentierten Fallzahlen liegen deutlich niedriger: 1.400 Betroffene in Rotherham über sechzehn Jahre, mehr als 1.000 in Telford über mehrere Jahrzehnte. Eine verlässliche, methodisch geprüfte landesweite Gesamtzahl existiert bislang nicht – weder bestätigt sie die 250.000, noch widerlegt sie diese Größenordnung; sie ist schlicht nicht erhoben.

Auch die Angaben zum Täteranteil stammen nicht aus amtlichen Statistiken. Die im Bericht zitierten 87 Prozent gehen auf einen Artikel der christlich-konservativen Lobbyorganisation Christian Concern aus dem Jahr 2018 zurück; die noch höhere Zahl von 95 Prozent ist die persönliche Einschätzung eines einzelnen Imams, veröffentlicht in einem wenig bekannten Online-Magazin. Beide Angaben beruhen, soweit nachvollziehbar, auf einer Auswertung öffentlich bekannter, »typisch muslimischer« Namen in Gerichtsunterlagen – einer Methode, die in der Forschung als unzuverlässig gilt, da sie weder Konvertiten noch nicht-muslimische Namensträger muslimischer Glaubenszugehörigkeit erfasst und umgekehrt fälschlich alle Namensträger als Muslime einstuft. Eine vergleichbare Untersuchung der Denkfabrik Quilliam aus dem Jahr 2017 kam mit ähnlicher Methodik auf einen Anteil von 84 Prozent »südasiatisch-stämmiger« Täter und wurde 2020 von den Wissenschaftlerinnen Ella Cockbain und Waqas Tufail wegen erheblicher methodischer Mängel scharf kritisiert.

Der amtliche Casey-Audit von 2025 nimmt hier eine vorsichtigere Zwischenposition ein: Er bestätigt eine deutliche lokale Überrepräsentation »asiatisch-pakistanisch-stämmiger« Männer in den drei untersuchten Polizeibezirken, weigert sich jedoch ausdrücklich, daraus eine landesweite Aussage abzuleiten, weil für zwei Drittel aller Fälle gar keine Daten zur Ethnizität vorliegen. Diese Lücke in der amtlichen Datenerhebung selbst gilt mittlerweile parteiübergreifend als Versäumnis; deshalb sieht die neue Pflichtuntersuchung unter Baroness Longfield die systematische Klärung der Ethnizitäts- und Religionsfrage als einen ihrer zentralen Aufträge vor. Bis zu deren Abschluss – mit belastbaren Ergebnissen ist frühestens in einigen Jahren zu rechnen – bleibt die genaue bundesweite demografische Zusammensetzung der Täterschaft wissenschaftlich offen.

Der britische Faktencheck-Dienst »UK FactCheck« hat den Lowe-Report inzwischen einer eigenen Prüfung unterzogen. Das Ergebnis: Die institutionellen und politischen Rahmenfakten des Berichts – etwa die Existenz und die Eckdaten der neuen Pflichtuntersuchung, der Casey-Audit, die Überprüfung von 9.000 Fällen durch die Metropolitan Police sowie die Operation Beaconport der National Crime Agency – ließen sich anhand öffentlich zugänglicher Primärquellen bestätigen. Die großen quantitativen Behauptungen sowie zahlreiche Einzelfallschilderungen aus den Zeugenaussagen blieben dagegen in öffentlich zugänglichen Quellen unbestätigt; dies bedeute nicht zwingend, dass sie falsch seien, sondern lediglich, dass sie sich mit den verfügbaren Mitteln nicht verifizieren ließen.

Reaktionen zwischen Zustimmung und Kritik

Die politische Resonanz auf den Bericht war erheblich. Mehrere Abgeordnete brachten im Unterhaus einen sogenannten Early Day Motion ein, der die Regierung auffordert, sich offiziell mit den Befunden und Empfehlungen des Berichts auseinanderzusetzen und dem Parlament schriftlich zu antworten – ein parlamentarisches Instrument, das politische Aufmerksamkeit signalisiert, aber keine bindende Wirkung entfaltet. In sympathisierenden Medien, etwa der konservativen US-Zeitung The Washington Times, wurden die zentralen Zahlen des Berichts unkritisch als gesicherte Fakten wiedergegeben.

Zugleich formierte sich Kritik, die teils auch aus dem Kreis der Betroffenen selbst kam. Mehrere Kommentatoren bemängelten das Fehlen einer nachvollziehbaren Methodik, anonymisierte Zeugenaussagen ohne unabhängige Überprüfbarkeit sowie den Umstand, dass der Bericht von vornherein mit dem erklärten Ziel finanziert worden sei, einen Zusammenhang zwischen pakistanisch-muslimischen Tätern und den Verbrechen zu belegen – eine Ausgangslage, die nach Auffassung von Kritikern die Unabhängigkeit der Schlussfolgerungen infrage stellt. Die Opferanwältin Donna Rachel warf dem Bericht vor, ein komplexes Problem auf die Frage der Religion zu reduzieren und dabei die ebenso gravierenden institutionellen Versäumnisse von Polizei, Jugendämtern und Kommunen in den Hintergrund zu drängen. Einzelne Betroffene mit nicht-weißem Hintergrund gaben öffentlich an, von der Anhörung ausgeschlossen worden zu sein, obwohl sie aussagen wollten – ein Vorwurf, der sich öffentlich nicht abschließend verifizieren lässt, aber die Debatte über die Repräsentativität des Berichts zusätzlich befeuert hat.

Was als Nächstes kommt

Zwei Stränge dieser Geschichte laufen damit parallel, aber auf unterschiedlicher Grundlage weiter. Der eine ist unstrittig: Großbritannien hat über Jahrzehnte hinweg systematisches institutionelles Versagen gegenüber Tausenden missbrauchten Kindern zugelassen, dokumentiert durch mehrere unabhängige, amtliche Untersuchungen und zahlreiche rechtskräftige Verurteilungen. Der andere bleibt offen: das tatsächliche landesweite Ausmaß der Taten und die exakte demografische Zusammensetzung der Täterschaft. Genau diese Frage soll nun die mit weitreichenden gesetzlichen Befugnissen ausgestattete Longfield-Untersuchung klären, deren Arbeit im April 2026 begonnen hat und voraussichtlich mehrere Jahre dauern wird.

Und so ist und war es nur eine Frage der Zeit, bis sich »britische Verhältnisse« auch in Deutschland einstellten. Die Zahl der in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erfassten Sexualdelikte und Gruppenvergewaltigungen befinden sich seit Jahren auf einem hohen Niveau. Laut der PKS für das Jahr 2025 wurden bundesweit 14.454 Fälle (2024: 13.320) von Vergewaltigung und schwerer sexueller Nötigung sowie 751 Fälle von Gruppenvergewaltigungen registriert. Bei gemeinschaftlich begangenen Sexualdelikten hatten 53,2 Prozent aller mutmaßlichen Tatverdächtigen keinen deutschen Pass, wobei Zuwanderer und nichtdeutsche Jugendliche in dieser Statistik überrepräsentiert sind. Hinzu kommt: Eingebürgerte oder Doppelstaatler (also Bürger mit Migrationshintergrund) werden in der Statistik als »Deutsche« geführt.

Die bayerische Polizei schrieb am 21.05.2026 zu einer sich entwickelnden Szene in Nürnberg, »dass offenbar Angehörige der Betäubungsmittelszene gezielt mit jungen Mädchen in Kontakt treten würden. Bei den jungen Männern handelt es sich überwiegend um Personen mit syrischer, pakistanischer und nordafrikanischer Herkunft. Die meist minderjährigen Mädchen stammen aus prekären Familien- und Wohnverhältnissen und sollen sich wohl regelmäßig im Bereich des Nelson-Mandela-Platzes oder des näheren Umfeldes aufhalten. (…) Die Männer sollen die Mädchen zunächst mit Zuneigung, Geschenken wie Kleidung oder Kosmetika umwerben und im weiteren Verlauf teils harte Drogen wie ›Crystal Meth‹ abgeben. Die daraufhin entstandene Abhängigkeit nutzen die Männer dann offenbar gezielt aus. Die Mädchen sollen weitere Betäubungsmittel nur noch als Gegenleistung für sexuelle Handlungen oder andere ›Dienstleistungen‹ erhalten und sich somit zum Teil prostituieren. Es besteht der Verdacht, dass sich in diesem Zusammenhang auch sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen zugetragen haben.«²

Nürnberg ist mittlerweile überall in Deutschland. Es ist ein nicht erklärter »molekularer Krieg« eindeutig bestimmbarer Gruppen, dessen blutige Zukunft sich noch kaum erahnen lässt.

Quellen (Auswahl)

© Foto: Screenshot YouTube – The Lost German Girl: Unraveling the Mystery of Her 1945 Footage | The End of WW2 (https://www.youtube.com/watch?v=2vaAE8Y79OE).

¹Der jüdische Schriftsteller, Journalist und Propagandist ›Ilja Ehrenburg bestritt mehrfach die Urheberschaft des Aufrufs, Zeitzeugen beharren darauf, diesen Inhalt in Frontpropaganda gehört und auf Flugblättern gelesen zu haben, ohne jedoch ein Exemplar vorweisen zu können‹ (Hallische Beiträge zur Zeitgeschichte, 2007/1 (Heft 17).
²Junge Mädchen Opfer von Sexual- und Betäubungsmitteldelikten – Kriminalpolizei gründet Ermittlungskommission, Polizeipräsidium Mittelfranken, https://www.polizei.bayern.de/aktuelles/pressemitteilungen/103066/index.html.

Alexis Jay OBE, Independent Inquiry into Child Sexual Exploitation in Rotherham, 2014; Independent Inquiry into Child Sexual Abuse (IICSA), Abschlussbericht, 2022; Baroness Louise Casey, National Audit on Group-based Child Sexual Exploitation and Abuse, Home Office, 16. Juni 2025; Independent Inquiry into Grooming Gangs, finale Untersuchungsziele, 31. März 2026, sowie Eröffnungserklärung des Innenministeriums vom 13. April 2026; Hansard, House of Lords, Debatte „Grooming Gangs“, 14. Mai 2019 (Lord Pearson of Rannoch); Ella Cockbain und Waqas Tufail, Failing Victims, Fuelling Hate: Challenging the Harms of the ‘Muslim Grooming Gangs‘ Narrative, Race & Class, 2020; Rupert Lowe MP / Restore Britain, The Rape Gang Inquiry Report, Juni 2026; UK FactCheck, Bewertung des „Rape Gang Inquiry Report“, Juni 2026; Berichterstattung von Wikipedia („Grooming gangs scandal“, „Rotherham child sexual exploitation scandal“), BBC, Al Jazeera, The Justice Gap und The Washington Times, jeweils Juni 2025–2026.

© RiskCompass ›Strategic Horizon Report‹. Foto: YouTube. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterstützend AI eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung für den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.

 

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