UN verstärkt Ebola-Einsatz im Osten der Demokratischen Republik Kongo
Die Vereinten Nationen haben ihre Hilfsmaßnahmen zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs im Osten der Demokratischen Republik Kongo massiv ausgeweitet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stufte das nationale Risiko am Freitag als »sehr hoch« ein, während das globale Risiko weiterhin als niedrig bewertet wird. Nach offiziellen Angaben wurden bislang 82 Ebola-Fälle und sieben Todesfälle bestätigt. Die WHO geht jedoch davon aus, dass das tatsächliche Ausmaß deutlich größer ist: Fast 750 Verdachtsfälle sowie 177 mutmaßliche Todesfälle wurden bereits registriert.
Der Ausbruch betrifft vor allem die Provinzen Ituri und Nord-Kivu, die seit Jahren von bewaffneten Konflikten, Vertreibung und humanitären Krisen geprägt sind. Nach Angaben der UN benötigen dort rund vier Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe, etwa zwei Millionen sind auf der Flucht, und zehn Millionen leiden unter akutem Ernährungsmangel. Die angespannte Sicherheitslage erschwert die medizinische Versorgung erheblich. In den vergangenen Monaten wurden mehr als 100.000 Menschen zusätzlich vertrieben.
Die Vereinten Nationen warnen zudem vor wachsendem Misstrauen gegenüber Gesundheitsbehörden und internationalen Helfern. Gerüchte und Desinformation behinderten die Eindämmungsmaßnahmen zunehmend. In der Provinz Ituri wurde Berichten zufolge ein Krankenhaus in Brand gesetzt, nachdem Angehörige die Herausgabe des Leichnams eines Familienmitglieds gefordert hatten, die Behörden dies jedoch aus Angst vor Ansteckung verweigerten.
Die WHO entsandte inzwischen 22 internationale Fachkräfte in die betroffenen Regionen und stellte kurzfristig 3,9 Millionen US-Dollar aus ihrem Notfallfonds bereit. Parallel dazu kündigte UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher die Freigabe von bis zu 60 Millionen US-Dollar aus dem zentralen UN-Nothilfefonds für die Demokratische Republik Kongo und Nachbarstaaten an. Die Mittel sollen unter anderem für medizinische Versorgung, Überwachung, Transportlogistik und den Ausbau von Behandlungszentren eingesetzt werden.
Auch die UN-Friedensmission MONUSCO (Mission de l’Organisation des Nations Unies en République Démocratique du Congo) unterstützt den Einsatz. Sie transportiert Medikamente, Schutzkleidung, Zelte und weitere Hilfsgüter per Luftbrücke in die Krisengebiete und stellt Fahrzeuge für den Transport vor Ort bereit. Nach Angaben der UN wurden bereits fast 30 Tonnen Notfallmaterial in die betroffenen Regionen gebracht.
Misstrauen und Gewalt erschweren Eindämmung
Besondere Sorge bereitet den Hilfsorganisationen die Verbreitung von Falschinformationen. Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes berichten, dass Teile der Bevölkerung Ebola weiterhin für eine Erfindung halten. Viele Menschen seien zudem durch frühere Epidemien traumatisiert und begegneten Behandlungszentren mit Angst und Skepsis. Freiwillige Helfer des Roten Kreuzes führen deshalb Aufklärungskampagnen von Haus zu Haus durch und unterstützen sichere Bestattungen, die als zentraler Bestandteil der Eindämmung gelten.
Der aktuelle Ausbruch wird durch den sogenannten Bundibugyo-Erreger des Ebola-Virus verursacht. Für diese Variante existieren bislang weder zugelassene Impfstoffe noch spezifische Therapien. Weltweit wurden bisher nur zwei frühere Ausbrüche dieses Virusstamms dokumentiert – 2007 in Uganda und 2012 in der Demokratischen Republik Kongo. Die WHO arbeitet deshalb gemeinsam mit Partnerorganisationen an klinischen Studien zu experimentellen Impfstoffen und Antikörpertherapien. Auch das antivirale Medikament »Obeldesivir« von Gilead Sciences soll bei Hochrisikokontakten getestet werden.
Bereits jetzt wurden zwei mit Reisen aus dem Kongo verbundene Ebola-Fälle im Nachbarland Uganda bestätigt, darunter ein Todesfall. Zwei US-Staatsbürger, darunter ein Arzt, wurden zur Behandlung beziehungsweise Beobachtung nach Europa ausgeflogen. Der Mediziner befindet sich zur Behandlung in der Berliner Charité. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr, versicherte das US-Gesundheitsministerium.
UN-Organisationen warnen zudem vor den sozialen Folgen des Ausbruchs. Frauen seien besonders gefährdet, da sie häufig Pflegeaufgaben übernehmen, im Gesundheitswesen arbeiten oder an traditionellen Bestattungsriten beteiligt seien. Während des Ebola-Ausbruchs 2018 und 2019 in der Demokratischen Republik Kongo entfielen rund zwei Drittel aller registrierten Fälle auf Frauen und Mädchen. Gleichzeitig könnten Quarantänemaßnahmen das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt erhöhen.
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