Reisesicherheit neu bewertet: USA fordern von Unternehmen ein Umdenken
Lange Zeit galten die USA als unkompliziertes Ziel für deutsche Geschäftsreisende. Doch die Zeiten haben sich geändert. Verschärfte und weniger vorhersehbare Grenzkontrollen, rechtliche Grauzonen und eine veränderte politische Landschaft zwingen Unternehmen, ihre Risikobewertung für USA-Reisen grundlegend zu überarbeiten. Selbst das Auswärtige Amt warnt inzwischen vor möglichen Festnahmen, Abschiebungen und der Durchsuchung elektronischer Geräte, was die Reisesicherheit in ein neues Licht rückt.
Die Einreise in die USA ist keine reine Formsache mehr. Weder ein gültiges Visum noch eine ESTA-Genehmigung garantieren die Einreise; die endgültige Entscheidung liegt im Ermessen der Grenzbeamten. Dieses Ermessen wird zunehmend strenger ausgelegt. Insbesondere Vielreisende oder Mitarbeiter mit komplexen Aufgaben geraten schneller in den Fokus. Tätigkeiten wie Projektabstimmungen oder Schulungen können von US-Behörden bereits als unerlaubte Erwerbstätigkeit eingestuft werden, was zu einer intensiven Zweitbefragung (Secondary Inspection) führen kann. Diese kann Stunden dauern und die genaue Prüfung von Dokumenten, Gepäck und vor allem elektronischen Geräten wie Smartphones und Laptops umfassen.
Für Unternehmen entsteht hier eine Zwickmühle: Die Verweigerung der Kooperation kann zur Einreiseverweigerung und Beschlagnahmung der Geräte führen. Die Herausgabe sensibler Firmendaten an US-Behörden kann jedoch gegen arbeitsrechtliche Pflichten und Geheimhaltungsvorschriften verstoßen. Unternehmen sind daher gefordert, ihr Travel Risk Management anzupassen. Dazu gehören strukturierte Sicherheitsbriefings, die über reine Buchungsprozesse hinausgehen und auf den Zielort, die Tätigkeit und das individuelle Risikoprofil des Reisenden eingehen. Klare Verhaltensregeln für Befragungen und der Schutz sensibler Daten durch Cloud-Lösungen oder Leihgeräte werden unerlässlich. Ein funktionierendes Krisenmanagement mit klaren Zuständigkeiten und Eskalationswegen ist keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit, um der Fürsorgepflicht (Duty of Care) gerecht zu werden.
Quelle: Die News, 05. März 2026

