Nahost-Krise trifft Auslandsmessen: Deutsche Wirtschaft spürt direkte Konsequenzen

Nahost-Krise trifft Auslandsmessen: Deutsche Wirtschaft spürt direkte Konsequenzen

Die jüngste militärische Eskalation in der Golf-Region hat weitreichende Auswirkungen auf die internationalen Geschäftsaktivitäten der deutschen Wirtschaft. Besonders deutlich zeigt sich dies im Bereich der Auslandsmessen, einem zentralen Instrument der deutschen Exportförderung.

Seit dem Ausbruch der Kämpfe im Iran und den angrenzenden arabischen Staaten sehen sich Veranstalter und Unternehmen gezwungen, ihre Messeplanungen in der Region drastisch anzupassen.

Nach einer aktuellen Analyse des Verbands der deutschen Messewirtschaft (AUMA) vom 13. April 2026 wurden bereits acht deutsche Gemeinschaftsstände auf Messen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und in Saudi-Arabien verschoben. Diese Veranstaltungen, die ursprünglich für die Monate April und Mai geplant waren, sollen nun in die zweite Jahreshälfte verlegt werden. Die VAE und Saudi-Arabien zählen zu den wichtigsten Zielmärkten des Auslandsmesseprogramms (AMP) des Bundeswirtschaftsministeriums. Für das laufende und das kommende Jahr waren in dieser Krisenregion jeweils 31 deutsche Gemeinschaftsstände vorgesehen.

Die Verschiebungen treffen die exportorientierte deutsche Wirtschaft in einer ohnehin angespannten Phase. Das AMP, das kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) bei der Erschließung neuer Märkte unterstützt, sieht sich mit sinkenden Budgets konfrontiert. Für das Jahr 2027 sind nur noch 191 geförderte Beteiligungen in 42 Ländern geplant – ein Rückgang von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Bundesmittel für das Programm sollen von 44 Millionen Euro auf 42,3 Millionen Euro gekürzt werden, während gleichzeitig die Kosten für Auslandsmesseteilnahmen in den vergangenen Jahren um bis zu 40 Prozent gestiegen sind.

Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des AUMA, warnt eindringlich vor den Folgen dieser Entwicklung: „Die schleichende Schrumpfung des bewährten AMP ist ein völlig falsches Signal für die unter Druck stehende Exportnation Deutschland und den heimischen Mittelstand.“ Er weist darauf hin, dass mehr als 30 Messebeteiligungen weniger auch rund 20.000 entgangene Geschäftschancen bedeuten. Die deutsche Messewirtschaft fordert daher eine Aufstockung des Budgets auf 49 Millionen Euro.

Die Wirksamkeit des Förderprogramms ist durch Studien gut belegt. Der Bund übernimmt in der Regel rund 50 Prozent der direkten Messekosten. Jeder investierte Steuer-Euro generiert im Durchschnitt eine Wertschöpfung von 216 Euro und trägt maßgeblich zur Sicherung von Produktion und Arbeitsplätzen in Deutschland bei. Pro Messebeteiligung erzielen die geförderten Unternehmen im Schnitt fünf Neukunden oder konkrete Geschäftsabschlüsse. Seit dem Start des Programms im Jahr 1949 haben bereits mehr als 215.000 deutsche KMU diese Unterstützung genutzt.

Trotz der aktuellen Krise im Nahen Osten bleibt die Region, zusammen mit Süd-Ost-Zentralasien und Nordamerika, eine der wichtigsten Zielregionen für die staatliche Messeförderung. Die aktuellen Verschiebungen verdeutlichen jedoch, wie anfällig globale Geschäftsbeziehungen für geopolitische Verwerfungen sind und wie wichtig Flexibilität im modernen Travel und Event Management geworden ist.

Quelle: Business-Travel.de

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