{"id":533524,"date":"2026-06-08T00:08:03","date_gmt":"2026-06-07T22:08:03","guid":{"rendered":"https:\/\/riskcompass.info\/?p=533524"},"modified":"2026-06-08T00:10:47","modified_gmt":"2026-06-07T22:10:47","slug":"demokratie-weltweit-in-der-vertrauenskrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/riskcompass.info\/?p=533524","title":{"rendered":"Demokratie (weltweit) in der Vertrauenskrise"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><em><span style=\"color: #000000;\">Neunmal in Folge hat \u203a<a href=\"https:\/\/www.niradata.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nira Data<\/a>\u2039 im Auftrag der \u00bbAlliance of Democracies Foundation\u00ab die Frage gestellt, wie Menschen auf der ganzen Welt Demokratie wahrnehmen. Die Antworten des Jahres 2026, gewonnen aus 94.146 Interviews in 98 L\u00e4ndern, zeichnen ein Bild grundlegender Verschiebungen: Die USA sind zum ersten Mal in der Geschichte dieser Studie schlechter beleumundet als Russland. Deutschland und Frankreich geh\u00f6ren zu den pessimistischsten Gesellschaften der Welt. Und der Glaube an die Demokratie als Idee bleibt ungebrochen \u2013 w\u00e4hrend das Vertrauen in die Institutionen, die sie verk\u00f6rpern sollen, vielerorts erodiert.<\/span><\/em><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Das Fundament: Was Menschen von Demokratie erwarten<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der \u00bb<a href=\"https:\/\/allianceofdemocracies.org\/democracy-perception-index\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Democracy Perception Index<\/a>\u00ab 2026 (DPI) unterscheidet sich von klassischen Demokratie-Rankings wie jenem der \u00bb<a href=\"https:\/\/www.eiu.com\/n\/webinars\/democracy-index-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Economist Intelligence Unit<\/a>\u00ab dadurch, dass er nicht Experten, sondern B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger befragt. Er misst keine Gesetze, keine Institutionen, keine Wahlsysteme von au\u00dfen \u2013 er misst das gelebte Empfinden von innen. Acht Dimensionen demokratischen Lebens werden erhoben: die Wirkungskraft von Wahlen, Redefreiheit, politischer Pluralismus, politische Bildung, Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit, Regierungstransparenz und friedliche Macht\u00fcbergabe. Das Ergebnis ist ein Spiegel, der manchmal verzerrt erscheint \u2013 und gerade deshalb so aufschlussreich ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00dcber zwei Drittel der Weltbev\u00f6lkerung halten es f\u00fcr sehr wichtig oder extrem wichtig, in einer Demokratie zu leben. Dieser Grundkonsens gilt nahezu \u00fcberall \u2013 von Griechenland und Schweden bis in L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens. Doch was Menschen unter Demokratie verstehen, variiert erheblich. In 62 Prozent der befragten L\u00e4nder nennen die Menschen als vorrangiges Ziel der Demokratie nicht die freie Wahl der Regierung oder den Schutz individueller Rechte, sondern die Verbesserung von Lebensstandard und Wohlbefinden. Demokratie wird, kurz gesagt, vor allem als Dienstleistung begriffen. Wo sie diese Dienstleistung nicht erbringt, schwindet die Legitimit\u00e4t \u2013 nicht die der Idee, wohl aber die ihrer konkreten Ausgestaltung.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Diese Schere zwischen Ideal und Realit\u00e4t ist der rote Faden des DPI 2026. \u00bb<em>Was wir sehen, ist kein nachlassender Bedarf, sondern steigende Erwartungen<\/em>\u00ab, formuliert es Nira-Data-Chef Dr. Nico Jaspers im Vorwort der Studie. \u00bb<em>Die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger suchen nach Systemen, die Sicherheit, Stabilit\u00e4t und wirtschaftlichen Fortschritt liefern.<\/em>\u00ab Wo diese Versprechen nicht eingel\u00f6st werden, w\u00e4chst die Desillusionierung \u2013 und genau das l\u00e4sst sich in Europa mit besonderer Sch\u00e4rfe beobachten.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Deutschland und Europa: Pessimismus als Zustandsbeschreibung<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Europa ist die pessimistischste Region der Welt. Weit mehr Menschen sagen, ihr Land bewege sich in die falsche Richtung, als dies irgendwo sonst auf der Welt der Fall ist. Und innerhalb Europas stechen Deutschland und Frankreich als besonders d\u00fcster gestimmte Gesellschaften hervor: Beide z\u00e4hlen zu den L\u00e4ndern mit dem niedrigsten Optimismus-Saldo weltweit. Wer nach den Ursachen sucht, findet sie nicht nur in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, sondern auch im Vertrauensverlust gegen\u00fcber politischen Institutionen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Deutschland landet im DPI-Ranking \u2013 der Selbstwahrnehmung seiner B\u00fcrger zufolge \u2013 im mittleren bis leicht negativen Bereich. Besonders kritisch bewertet wird die Regierungstransparenz: Dieses Kriterium ist weltweit, aber in Europa und dem amerikanischen Kontinent im Besonderen, das am schlechtesten beurteilte demokratische Merkmal. B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger in Deutschland, wie in den meisten westlichen Demokratien, glauben \u00fcberwiegend, dass ihre Regierungen wichtige Informationen zur\u00fcckhalten. Was Wahlen angeht, ist Deutschland etwas positiver gestimmt; politische Bildung wird vom deutschen Publikum ebenfalls vergleichsweise wohlwollend eingestuft.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der wohl spektakul\u00e4rste europ\u00e4ische Befund betrifft Frankreich. Das Land landet in der niedrigsten DPI-Rang-Kategorie \u2013 der \u00bbVery Negative\u00ab-Stufe \u2013 gemeinsam mit Russland, der Ukraine und Serbien. Frankreichs eigene B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger bewerten ihre Demokratie damit \u00e4hnlich kritisch wie die Bev\u00f6lkerungen von L\u00e4ndern, die international gemeinhin nicht als vorbildliche Demokratien gelten. Die Studie weist explizit darauf hin, dass diese Wertungen subjektive Wahrnehmungen widerspiegeln und keine objektiven Institutionenratings ersetzen \u2013 doch die Botschaft ist dennoch eindeutig: Das demokratische Selbstbild Frankreichs hat gelitten wie selten zuvor.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die nordeurop\u00e4ischen L\u00e4nder \u2013 Schweden, Norwegen, D\u00e4nemark, Finnland \u2013 bilden das Gegenmodell: Sie f\u00fchren den DPI-Index an und gelten sowohl in der Au\u00dfenwahrnehmung als auch in der Selbstwahrnehmung ihrer Bev\u00f6lkerungen als die demokratischsten Gesellschaften der Welt. Auch die Bereitschaft, f\u00fcr das eigene Land zu k\u00e4mpfen, ist in diesen L\u00e4ndern vergleichsweise hoch \u2013 eine Ausnahme in einem Europa, in dem insgesamt nur 37 Prozent der 18- bis 55-J\u00e4hrigen sagen, sie w\u00fcrden ihr Land im Falle eines Angriffs pers\u00f6nlich verteidigen. In Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden und der Schweiz ist dieser Anteil noch deutlich geringer: Weniger als einer von drei sagt hier, dass er bereit w\u00e4re zu k\u00e4mpfen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Beim Thema Verteidigungsausgaben ist Europa tief gespalten. Starke Unterst\u00fctzung f\u00fcr h\u00f6here R\u00fcstungsausgaben \u2013 auch wenn sie mit Steuererh\u00f6hungen oder Einschnitten anderswo verbunden w\u00e4ren \u2013 zeigen die nordischen Staaten sowie die \u00f6stliche Flanke des Kontinents: Ukraine und Polen. Klare Ablehnung \u00e4u\u00dfern S\u00fcdeuropa \u2013 Italien, Griechenland, Spanien \u2013 sowie Frankreich. Der Rest Osteuropas ist gespalten. Diese innereurop\u00e4ische Fragmentierung, warnt Anders Fogh Rasmussen, der fr\u00fchere NATO-Generalsekret\u00e4r und Gr\u00fcnder der \u00bbAlliance of Democracies\u00ab, macht den Kontinent verwundbar: \u00bb<em>Viele Europ\u00e4er erkennen noch immer nicht die Bedrohungen, denen sie gegen\u00fcberstehen, und die dringende Notwendigkeit, eine eigene Abschreckungskraft aufzubauen.<\/em>\u00ab<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Der freie Fall: USA verlieren die Welt<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Kein Befund des DPI 2026 ist drastischer als der des globalen Ansehensverlusts der Vereinigten Staaten. In der Wahrnehmungsrangliste der 132 bewerteten L\u00e4nder und internationalen Organisationen landet Amerika auf dem f\u00fcnft-letzten Platz \u2013 hinter Israel, Nordkorea, Afghanistan und Iran. Zum Vergleich: Noch 2024 hatte der Netto-Wahrnehmungswert der USA +22 Prozent betragen. Im Jahr 2026 liegt er bei \u201316 Prozent. Das entspricht einem Absturz von 38 Prozentpunkten innerhalb von zwei Jahren, davon allein 11 Punkte seit 2025.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Besonders aufschlussreich ist die regionale Aufschl\u00fcsselung. In Europa liegt der Netto-Wahrnehmungswert der USA bei \u201335 \u2013 damit wird Amerika auf dem Kontinent deutlich negativer wahrgenommen als China (\u201314). Nur Russland (\u201347) schneidet in Europa noch schlechter ab. Im asiatisch-pazifischen Raum sowie im Nahen Osten und Nordafrika liegt der US-Wert ebenfalls deutlich im negativen Bereich. Lediglich in Subsahara-Afrika ist er noch leicht positiv (+4). In 63 von 83 befragten L\u00e4ndern wird China gegenw\u00e4rtig g\u00fcnstiger beurteilt als die USA. Innerhalb Europas bevorzugen nur drei L\u00e4nder die USA gegen\u00fcber China: Frankreich, Polen und die Ukraine.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">China seinerseits verzeichnet als einzige der drei Gro\u00dfm\u00e4chte \u2013 USA, Russland, China \u2013 einen positiven Netto-Wahrnehmungswert: +7 Prozent. Russland liegt bei \u201311 Prozent. Damit sind die USA zum ersten Mal in der Geschichte des DPI schlechter angesehen als Russland. Dieser Befund markiert einen geopolitischen Einschnitt: \u00dcber Jahrzehnte galt Amerika als der strahlende Gegenpol zum autorit\u00e4ren Moskau. Dieses Bild ist Geschichte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Studie ist methodisch vorsichtig genug, daraus keine Schlussfolgerung einer globalen Neuausrichtung zugunsten Chinas oder Russlands zu ziehen. Stattdessen sprechen die Autoren von \u00bb<em>globalem Dealignment, nicht globalem Realignment<\/em>\u00ab (<em>Fehlausrichtung statt Neuausrichtung<\/em>): Die Welt wendet sich von Amerika ab, ohne sich einem anderen Pol zuzuwenden. Es ist eine Welt in Bewegung \u2013 weg von klaren Lagerbildungen, hin zu diffuser Multipolarit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcnf Konflikte, f\u00fcnf Urteile \u2013 und Amerika auf der Verliererseite<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Erstmals hat der DPI 2026 die Befragten gebeten, bei f\u00fcnf aktuellen oder potenziellen Konflikten Stellung zu beziehen: Russland versus Ukraine, Israel versus Pal\u00e4stina, China versus Taiwan, USA versus Iran sowie USA versus Gr\u00f6nland\/D\u00e4nemark. Das Ergebnis ist ein globaler Stimmungstest \u2013 und f\u00fcr Washington ein ern\u00fcchterndes Protokoll.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Im Russland-Ukraine-Krieg stehen 55 von 98 befragten L\u00e4ndern auf der Seite der Ukraine, 30 auf der Seite Russlands. Europa ist \u00fcberw\u00e4ltigend pro-ukrainisch. Im Nahen Osten und Nordafrika hingegen tendiert die Mehrheit eher zu Russland. Im asiatisch-pazifischen Raum ist das Bild gespalten: Australien, Neuseeland, Japan und S\u00fcdkorea halten zu Kiew; Indonesien, Indien, China und Pakistan neigen eher nach Moskau. F\u00fcr die Ukraine und den westlichen Narrativ ist das Ergebnis trotzdem vergleichsweise ermutigend \u2013 es ist der Konflikt, in dem der Westen die st\u00e4rkste internationale Unterst\u00fctzung genie\u00dft.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Israel-Pal\u00e4stina-Konflikt zeigt ein anderes Bild: 51 L\u00e4nder stehen auf der Seite Pal\u00e4stinas, nur 17 auf der Seite Israels, 30 sind etwa gleichm\u00e4\u00dfig gespalten. Israel ist \u2013 gemessen am globalen Netto-Wahrnehmungswert \u2013 das am negativsten wahrgenommene Land der Welt; die Liste der sch\u00e4rfsten Kritikerl\u00e4nder stammt nahezu ausschlie\u00dflich aus dem arabischen und muslimischen Raum. Bemerkenswert ist, dass auch Europa insgesamt leicht zu Pal\u00e4stina tendiert. Nur der amerikanische Kontinent lehnt sich, wenn auch knapp, noch in Richtung Israel.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Beim Konflikt USA versus Iran \u00fcberwiegt weltweit die Sympathie f\u00fcr Teheran: 41 L\u00e4nder stehen eher auf Irans Seite, nur 28 auf der Seite Washingtons. Subsahara-Afrika, der asiatisch-pazifische Raum und der Nahe Osten tendieren zu Iran. Europa ist ann\u00e4hernd neutral. Dieses Ergebnis illustriert, wie tief das Misstrauen gegen\u00fcber der US-Au\u00dfenpolitik auch in Regionen sitzt, die traditionell eher prowestlich galten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Das eindeutigste Ergebnis liefert die Frage nach dem Konflikt USA versus Gr\u00f6nland\/D\u00e4nemark. 85 von 98 L\u00e4ndern stellen sich auf die Seite Gr\u00f6nlands und D\u00e4nemarks; nur zwei \u2013 die Dominikanische Republik und Israel \u2013 tendieren zur US-Position. Selbst die US-amerikanische Bev\u00f6lkerung positioniert sich mit 12 Punkten Abstand eher auf der Seite Gr\u00f6nlands als auf der Seite ihrer eigenen Regierung. In Sachen Gr\u00f6nland steht Amerika buchst\u00e4blich allein \u2013 ein Signal, das weit \u00fcber die territoriale Debatte hinausweist und die tiefe internationale Skepsis gegen\u00fcber dem geopolitischen Auftreten der gegenw\u00e4rtigen US-Administration spiegelt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der China-Taiwan-Konflikt schlie\u00dflich wird am unentschiedensten gewertet: 41 L\u00e4nder tendieren zu Taiwan, 38 zu China, 19 sind gleichm\u00e4\u00dfig gespalten. Der globale Durchschnitt neigt sich um lediglich 5 Punkte in Richtung Taiwan. Dies ist auch der Konflikt mit dem h\u00f6chsten Anteil an \u00bbwei\u00df nicht\u00ab-Antworten (38 % weltweit) \u2013 ein Zeichen f\u00fcr die Komplexit\u00e4t und Distanz, die viele Menschen gegen\u00fcber diesem geopolitischen Szenario empfinden.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Russland und Ukraine: Demokratiewahrnehmung unter Kriegsbedingungen<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Russland und die Ukraine teilen im DPI 2026 dasselbe Schicksal: Beide landen im untersten Rang der Demokratie-Eigenwahrnehmung. Die Ukrainerinnen und Ukrainer bewerten ihre politischen Institutionen \u2013 unter den Bedingungen eines anhaltenden Krieges \u2013 als tief dysfunktional. Ob dies die realen Verh\u00e4ltnisse widerspiegelt oder die psychologische Last des Krieges, ist schwer zu trennen. Russland hingegen schneidet bereits seit Jahren schlecht ab: Die eigene Bev\u00f6lkerung beurteilt Russlands politisches System deutlich negativer als etwa China oder Belarus \u2013 ein Befund, der dem Klischee widerspricht, autorit\u00e4re Regime produzierten stets positive B\u00fcrgerurteile.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">In Sachen Verteidigungsbereitschaft ist die Ukraine ein globaler Ausrei\u00dfer nach oben: Nirgendwo sonst ist die Furcht vor einem Angriff von au\u00dfen h\u00f6her, nirgendwo die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Mehrausgaben bei der Verteidigung ausgepr\u00e4gter. Der Krieg hat die Ukraine zu einer in ihrer Verteidigungsbereitschaft einzigartigen Gesellschaft gemacht \u2013 und zu einem der wenigen L\u00e4nder weltweit, in denen die Unterst\u00fctzung f\u00fcr US-Milit\u00e4rbasen mehrheitlich positiv ist.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">China: Das Paradox der positiven Wahrnehmung<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">China ist der geopolitisch am meisten vielschichtige Fall des DPI 2026. Im L\u00e4nder-Wahrnehmungsranking ist China die einzige der drei Gro\u00dfm\u00e4chte mit positivem Netto-Saldo. Im DPI-Eigenurteil der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger landet China erstaunlich gut: Besonders bei Rechtsstaatlichkeit, politischer Bildung und friedlichen Macht\u00fcbergaben gibt die chinesische Bev\u00f6lkerung vergleichsweise positive Bewertungen ab. Und China ist das Land mit dem h\u00f6chsten Optimismus-Saldo weltweit: Die Mehrheit der Chinesinnen und Chinesen sagt, ihr Land bewege sich in die richtige Richtung \u2013 ein Kontrast, der sch\u00e4rfer kaum sein k\u00f6nnte zur tiefen Pessimismus-Stimmung in den meisten westlichen Demokratien.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Studie weist ausdr\u00fccklich auf die methodische Grenze dieser Befunde hin. Hohe DPI-Werte bedeuten nicht, dass ein Land demokratisch ist im Sinne externer Experten-Assessments. In Gesellschaften mit beschr\u00e4nkter Pressefreiheit und dominanten Staatsnarrativen k\u00f6nnen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger dennoch positive Urteile \u00fcber ihre politischen Institutionen f\u00e4llen \u2013 weil der Vergleichshorizont fehlt, weil Staatskommunikation wirkt oder weil die Umfrage selbst (trotz anonym-digitaler Erhebungsmethodik) nicht vollst\u00e4ndig frei von Antwortverzerrungen ist. Der DPI misst Wahrnehmung, nicht Wirklichkeit. Und doch bleibt der Befund geopolitisch bedeutsam: Im Kampf um internationale Legitimit\u00e4t und Deutungshoheit liegt China 2026 auf der Gewinnerseite.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Sicherheit, B\u00fcndnisse und die Frage der Kampfbereitschaft<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der DPI 2026 fragt nicht nur nach Demokratiewahrnehmung, sondern auch nach Sicherheitspr\u00e4ferenzen. Das globale Ergebnis ist eindeutig: In 80 von 98 befragten L\u00e4ndern nennen die Menschen \u00bbSt\u00e4rkung von Allianzen und internationalen Partnerschaften\u00ab als wichtigste Ma\u00dfnahme zum Schutz des eigenen Landes. Nur in 18 L\u00e4ndern steht Milit\u00e4rinvestition an erster Stelle, vor allem im Nahen Osten und in Teilen des asiatisch-pazifischen Raums. Nuklearabschreckung oder Wehrpflicht \u2013 in keinem Land sind dies die meistgew\u00e4hlten Antworten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Gleichzeitig hat die globale Kampfbereitschaft seit 2025 sp\u00fcrbar nachgelassen: Der weltweite Anteil der 18- bis 55-J\u00e4hrigen, die sagen, sie w\u00fcrden ihr Land im Falle eines Angriffs verteidigen, ist von 53 auf 45 Prozent gesunken \u2013 ein R\u00fcckgang von 8 Prozentpunkten in einem einzigen Jahr. In Europa liegt dieser Wert bei lediglich 37 Prozent, halb so hoch wie der MENA-Durchschnitt (Middle East and North Africa) von 62 Prozent. Und US-amerikanische Milit\u00e4rbasen werden weltweit mehrheitlich abgelehnt: In 86 von 97 befragten L\u00e4ndern \u00fcberwiegen die Gegenstimmen. Klare Bef\u00fcrworter gibt es lediglich in Puerto Rico, Polen, Israel und S\u00fcdkorea.<\/span><\/p>\n<h5 style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Das Versprechen und die Leerstelle<\/span><\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Was der \u00bbDemocracy Perception Index\u00ab 2026 letztlich zeigt, ist ein globales Paradox: Der Glaube an Demokratie als Idee ist st\u00e4rker denn je. Mehr als zwei Drittel der Weltbev\u00f6lkerung halten demokratische Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr \u00e4u\u00dferst wichtig. Und doch erleben wir eine historische H\u00e4ufung von Demokratieskepsis in der Praxis \u2013 von der Desillusionierung in Deutschland und Frankreich \u00fcber den tiefen institutionellen Vertrauensverlust in Gesellschaften des Globalen S\u00fcdens bis hin zur systemischen Krise des internationalen Ansehens der USA.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Welt glaubt an Demokratie. Sie zweifelt daran, ob die existierenden Demokratien \u2013 und die westliche Ordnung, die sie repr\u00e4sentiert \u2013 noch in der Lage sind, zu liefern, was Menschen von einem demokratischen System erwarten: Sicherheit, wirtschaftliche Teilhabe, Transparenz, Gerechtigkeit. Es ist diese L\u00fccke zwischen dem Versprechen und der gelebten Realit\u00e4t, die den eigentlichen Befund des DPI 2026 ausmacht. Und es ist diese L\u00fccke, die demokratische Gesellschaften dringend schlie\u00dfen m\u00fcssen \u2013 nicht nur aus Eigeninteresse, sondern weil die Alternative, ein Gravitationspunkt des autorit\u00e4ren Modells, in den Daten des Index bereits sichtbar wird.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Auftrag an politische F\u00fchrungen ist klar formuliert, wie Anders Fogh Rasmussen es im Vorwort fasst: \u00bb<em>Demokratie ist weltweit noch gefragt \u2013 aber unsere F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten m\u00fcssen beweisen, dass unsere demokratischen Systeme noch eine Vision von Optimismus und Hoffnung f\u00fcr die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler bieten k\u00f6nnen.<\/em>\u00ab Der DPI 2026 liefert die Diagnose. Die Therapie muss anderswo entworfen werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 9pt; color: #000000;\"><small>\u00a9 RiskCompass \u203aStrategic Horizon Report\u2039. Foto: Pixabay. Hinweis: Bei der Recherche und Analyse dieses Beitrags wurde unterst\u00fctzend AI eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung f\u00fcr den Inhalt liegt bei der Redaktion. Alle Rechte vorbehalten, all rights reserved. Nachdruck und Weitergabe an Dritte untersagt.<\/small><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neunmal in Folge hat \u203aNira Data\u2039 im Auftrag der \u00bbAlliance of Democracies Foundation\u00ab die Frage gestellt, wie Menschen auf der ganzen Welt Demokratie wahrnehmen. 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