{"id":2218,"date":"2023-02-07T10:29:00","date_gmt":"2023-02-07T09:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geschaeftsreisekontakt.de\/?p=1502"},"modified":"2023-02-07T10:29:00","modified_gmt":"2023-02-07T09:29:00","slug":"vorsicht-vor-nachhaltigen-angeboten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/riskcompass.info\/?p=2218","title":{"rendered":"<strong>Vorsicht vor nachhaltigen Angeboten<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Da die Nachfrage nach klimafreundlichen und nachhaltigen Reiseangeboten in den letzten Jahren stark gestiegen ist, sind viele Anbieter von Fluggesellschaften bis zu Hotels auf diesen Zug aufgesprungen und versuchen ihre Produkte und Dienstleistungen als besonders umweltfreundlich zu verkaufen.\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bei kritischer Betrachtung stellt sich aber oft die Frage, ob in vielen F\u00e4llen nicht &#8222;Gr\u00fcne Augenwischerei&#8220; betrieben wird und wie Konsumenten die wirklich nachhaltigen Angebote finden k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Klima-Diskussionen der letzten Jahre haben zu einem Umdenken bei vielen Menschen gef\u00fchrt. Beschleunigt wurde das noch durch die Corona-Pandemie, als Reisen zwei Jahre lang so gut wie unm\u00f6glich waren. Immer mehr Menschen suchen heute nach klimafreundlichen Reiseangeboten, was ein aktueller Report des World Travel &amp; Tourism Council best\u00e4tigt: Danach haben fast 60 Prozent aller Reisenden sich zuletzt f\u00fcr nachhaltige Reiseoptionen entschieden und fast 70 Prozent suchen heute nach entsprechenden Angeboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem f\u00fcr Reisende ist aber, Anbieter zu finden, f\u00fcr die Umweltschutz und Nachhaltigkeit nicht nur Marketing-Slogans sind, sondern die es damit wirklich ernst meinen. Darauf hat James Thornton, CEO des amerikanischen Reiseunternehmens Intrepid Travel, in einem Interview mit dem Sender CNBC hingewiesen: Viele Anbieter seien leicht zu entlarven, wie zum Beispiel Hotels, die sich f\u00fcr nachhaltig erkl\u00e4ren, und dabei nach wie vor Shampoos und Duschgels in kleinen Plastikflaschen in die B\u00e4der stellen. Das sei nichts anderes als &#8222;Greenwashing&#8220;. Mit diesem Begriff werden heute Unternehmen beschrieben, die umweltfreundlicher erscheinen wollen, als sie es tats\u00e4chlich sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Anbieter im Reisesektor werfen in ihren Werbebrosch\u00fcren mit \u00d6ko-Schlagw\u00f6rtern um sich und nutzen Bilder von frisch gesetzten B\u00e4umen und intakter Natur, ohne ihre Aussagen durch nachhaltiges Handeln zu best\u00e4tigen.&nbsp;Thornton r\u00e4t daher Reisewilligen, nicht auf solche Werbeslogans herein zu fallen, sondern genau hinzusehen und sich \u00fcber einzelne Unternehmen zu informieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Er teilt die Reiseindustrie derzeit in drei Kategorien ein: Ein Drittel der Anbieter hat wirklich gute Absichten und setzt sich aktiv f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung der Klimakrise ein, mit teilweise sehr guten Fortschritten. Das zweite Drittel sind die Z\u00f6gerer, die zwar gute Absichten haben, diese aber (noch) nicht in aktives Handeln umsetzen. Das dritte Drittel schlie\u00dflich sind die Blender, die mit \u00d6ko-Schlagworten werben, aber nur den Kopf in den Sand stecken und hoffen, dass sich das Problem irgendwann von selbst erledigt hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Unternehmen zu erkennen, die wirklich nachhaltig agieren, sollten Konsumenten laut Thornton auf bestimmte Hinweise achten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Hat das Unternehmen eine nachhaltige Tradition, oder ist es erst k\u00fcrzlich auf den \u00d6kozug aufgesprungen? Das kann einen Hinweis darauf geben, ob umweltfreundliche Absichten ernst gemeint sind oder nur vorgeschobene Marketinggags.<\/li>\n\n\n\n<li>Wichtig auch die Antworten auf Fragen wie: Werden erneuerbare Energiequellen genutzt? Stammen die Lebensmittel aus der Region? Kommen die Mitarbeiter aus den umliegenden Gemeinden?&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Aufschlussreich ist ein Blick im Internet in die &#8222;Glasgow Declaration on Climate Action in Tourism&#8220;. Auf dieser Website sind derzeit \u00fcber 700 Unternehmen und Organisationen aufgelistet, die ihre umweltsch\u00e4dlichen Emissionen aktiv reduzieren wollen und einen Klimaplan mit klaren Ma\u00dfnahmen ver\u00f6ffentlicht haben, der von der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen \u00fcberwacht wird. Eine zweite Quelle ist die &#8222;Science Based Targets Initiative&#8220;, eine Partnerschaft zwischen dem United Nations Global Compact, dem World Resources Institute und dem World Wide Fund for Nature. Auf dieser Website sind mehr als 4.500 Unternehmen weltweit aufgef\u00fchrt, die sich zur Reduzierung ihrer Emissionen verpflichtet haben (darunter z.B. Amex Global Business Travel und die Flight Centre Travel Group aus Australien).<\/li>\n\n\n\n<li>Ein Hinweis auf ernsthafte Umweltschutz-Bem\u00fchungen k\u00f6nnen auch Zertifikate sein. Zur Zeit am meisten respektiert ist die &#8222;B Corp Zertifizierung&#8220; der gemeinn\u00fctzigen Organisation B Lab. Diese wird nach strenger Pr\u00fcfung vergeben und ist drei Jahre g\u00fcltig. Die Zertifizierungsgeb\u00fchren von B Corp richten sich nach dem Jahresumsatz des Pr\u00fcfkandidaten und beginnen bei 1.000 US-Dollar (unter 1 Mio. $ Umsatz). Andere \u00d6ko-Zertifikate sind laut Thornton weniger anspruchsvoll und eher eine Masche, um leicht Geld zu verdienen.&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Gr\u00fcne Augenwischerei ist vor allem das System der Kompensation klimasch\u00e4dlicher Emissionen. Viele Firmen, darunter vor allem Fluggesellschaften, investieren lieber in den Ausgleich ihrer Emissionen, als diese selbst zu reduzieren. Dies geschieht \u00fcber sogenannte CO2-Zertifikate, die durch Projekte generiert werden, die dem Klimaschutz dienen sollen. Darunter fallen beispielsweise der Ausbau erneuerbarer Energien oder die Aufforstung und der Schutz von Waldgebieten, die die CO2-Belastung des Klimas senken sollen. Aber dieses System dient vor allem der Gewissensberuhigung: Man kann beruhigt durch die Welt fliegen, wenn man im Gegenzug Projekte zur Einsparung von Emissionen finanziert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hier ist ein riesiger Markt entstanden: Allein im Jahr 2021 wurden 2 Milliarden US-Dollar f\u00fcr freiwillige Kompensation gezahlt. Aber werden durch entsprechende Projekte tats\u00e4chlich Emissionen gesenkt? Zweifel daran werden durch eine Untersuchung der Zeitschriften die &#8222;Zeit&#8220; und des britischen &#8222;Guardian&#8220; gest\u00fctzt. Danach waren mehr als 90 Prozent der CO2-Zertifikate aus Waldschutzprojekten des weltweit gr\u00f6\u00dften Zertifizierers Verra nutzlos, um Emissionen einzusparen. Verra-Kunden sind u.a. Konzerne wie Netflix, Disney oder Gucci.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Am Beispiel Gucci konnte dies eindrucksvoll belegt werden: Das Modeunternehmen bezeichnet sich selbst aufgrund der gekauften Zertifikate als &#8222;CO2-neutral&#8220;. Ein riesiger Schwindel, denn in Wirklichkeit produziert es heute mit 1 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr mehr umweltsch\u00e4dliche Abgase als vor einigen Jahren. Das gleiche gilt f\u00fcr ganze Branchen wie den Flugverkehr oder sogar Staaten, die sich durch den Kauf von Zertifikaten f\u00fcr &#8222;klimaneutral&#8220; erkl\u00e4ren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das System wird bei steigender Nachfrage nach Kompensationszertifikaten sowieso an seine Grenzen sto\u00dfen: Denn die von Rodung bedrohten Waldfl\u00e4chen sind begrenzt, um deren Schutz es bei Zertifikaten, wie sie Gucci kauft, geht. Irgendwann werden alle W\u00e4lder (theoretisch) gesch\u00fctzt und auch andere M\u00f6glichkeiten zur Kompensation ausgesch\u00f6pft sein, w\u00e4hrend die Umweltverschmutzung gleichbleibend hoch ist. Noch ein Negativ-Beispiel: Der Mineral\u00f6lkonzern Shell hat im letzten Jahr seine &#8222;Netto-Null-Emissionspl\u00e4ne&#8220; verk\u00fcndet. Um dieses Ziel durch den Kauf von CO2-Zertifikaten zu erreichen, m\u00fcsste Shell eine Fl\u00e4che, die dreimal so gro\u00df wie die Niederlande ist, aufforsten. Das hat die NGO &#8222;ActionAid&#8220; ausgerechnet. Und selbst wenn gen\u00fcgend Fl\u00e4che f\u00fcr solche Projekte vorhanden w\u00e4re, w\u00fcrde es viel zu lange dauern, bis die Kompensation wirksam w\u00fcrde. Denn ein ausgewachsener Baum braucht Jahrzehnte, um eine Tonne CO2 zu binden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem: Wer garantiert, dass ein Wald, der heute aufgeforstet wird, nicht in 50 oder 100 Jahren abgeholzt wird oder einem der durch den Klimawandel zunehmenden Waldbr\u00e4nde zum Opfer f\u00e4llt? Die M\u00f6glichkeit der Klimakompensation ist gef\u00e4hrlich, da sie die Illusion weckt, dass sich eigentlich in unserem t\u00e4glichen Leben nichts \u00e4ndern muss. Denn solange das Schlupfloch der Kompensation besteht, sind Unternehmen nicht gezwungen, ihre Emissionen wirklich zu reduzieren. Sie k\u00f6nnen sich freikaufen und erhalten damit quasi eine Lizenz zur weiteren Verschmutzung unserer Atmosph\u00e4re. Das System der Kompensation ist also nicht fehlerbehaftet, das System selbst ist der Fehler.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(red)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da die Nachfrage nach klimafreundlichen und nachhaltigen Reiseangeboten in den letzten Jahren stark gestiegen ist, sind viele Anbieter von Fluggesellschaften bis zu Hotels auf diesen Zug aufgesprungen und versuchen ihre Produkte und Dienstleistungen als besonders umweltfreundlich zu verkaufen.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2219,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29,16],"tags":[30],"class_list":["post-2218","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-klimaschutz","category-travel","tag-nachhaltigkeit-greenwashing"],"distributor_meta":false,"distributor_terms":false,"distributor_media":false,"distributor_original_site_name":"RiskCompass","distributor_original_site_url":"https:\/\/riskcompass.info","push-errors":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/riskcompass.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2218","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/riskcompass.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/riskcompass.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/riskcompass.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/riskcompass.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2218"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/riskcompass.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2218\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/riskcompass.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2219"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/riskcompass.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2218"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/riskcompass.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2218"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/riskcompass.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2218"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}